Hochwasser…

…oder heute ist mir nicht nach Kuchen.

Lange habe ich hin und her überlegt, ob ich über meine Gedanken zu der Notlage meiner Stadt etwas schreiben möchte. Am Ende haben sich das Entsetzen und die Hilflosigkeit durchgesetzt. Wer nichts davon lesen möchte, weil er momentan mit Bilder über das Hochwasser in den Medien bombardiert wird, darf gern weiter runter scrollen oder zu einem späteren Zeitpunkt wieder vorbei schauen…

Natürlich habe ich von dem Hochwasser, das die Elbe in den letzten Wochen auf Grund des andauernden Regens geführt hat, gehört. Aber hey, wir haben das 2002 überstanden, dass schaffen wir auch dieses Mal…Dieser Gedanke verschwindet schlagartig, als meine Freundin H. fluchend durch die Gegend läuft. Ihre Eltern werden die unterste Etage ihres Hauses ausräumen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich, dass die Lage ernster ist als ich bisher annahm. Denn ihre Eltern wollten erst räumen, wenn es wirklich schlecht steht. Wir schwingen uns auf unsere Räder, fahren Richtung Elbe und sind entsetzt, wie breit sich der Fluss gemacht hat. Die Witze die ich den Tag zuvor noch über das Hochwasser gerissen habe, bleiben mit augenblicklich im Halse stecken und in der Magengegend breitet sich ein mulmiges Gefühl aus.

Die Sonne scheint, wir radeln durchs Grüne, Vögel zwitschern und weiße Pollen fliegen durch die Luft wie Schneeflocken. Ein wunderschöner Sommertag, würden nicht 15 Feuerwehrwagen unseren Weg kreuzen. „Wenn die Dämme brechen, steht das Wasser hier 2,5 m hoch“ sind die Worte, die mich wieder zurück in die Realität holen. Den ganzen Vormittag werden Kisten gepackt, Möbel auseinander geschraubt und alles was tragbar ist eine Etage höher geschafft. Der Rest wird im Fall der Fälle der Elbe übergeben…

Auf dem Weg zurück sehe ich, wie die Menschen versuchen ihr Hab und Gut mit ein paar Sandsäcken zu schützen, wie die ersten Leute auf ihren Koffern sitzen und wie die Szenerie  begleitet wird durch den Lärm von Sirenen. Natürlich wollen auch wir helfen, nicht nur unseren Freunden und Familien, sondern unserer Stadt. Also fahren wir direkt an den Ort des Geschehens, waten durchs Wasser, befüllen und tragen Sandsäcke. Als wir uns entschließen nach Hause zu fahren, nehmen wir den Weg entlang der Elbe. Immer wieder bleiben wir stehen und sind verzweifelt. So hoch haben wir unsere Elbe noch nie gesehen. Wir stehen direkt an der Stadtmauer und wissen, auf gleicher Höhe direkt neben uns fließt die braune Brühe. Wie ein Swimmingpool, der bei jeder Welle ein bisschen überschwappt. Wieder Sirenen und wir fahren nach Hause. Wortlos…

Nova

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3 Gedanken zu „Hochwasser…

  1. Ines

    Ich bin sprachlos über diese Naturgewalt und was sie mit unsereren Städten anrichtet. Ich bin genauso sprachlos über die Hilfsbereitschaft und die Solidarität die sich während dieser Zeit zwischen den Bürgern aufbaut. Ich hoffe, dass die Deiche halten und möglichst viele Menschen wenigstens einen großen Teil ihres Hab und Guts retten können.

    Antwort
  2. Stempelspass

    Liebe Nova,
    ich habe bei den ganzen Fernseh- und Radiomeldungen der letzten Tage tatsächlich immer wieder an Dich gedacht! Ich schicke Dir, Deinen betroffenen Freunden und Bekannten ganz viel Kraft!
    Liebe Grüße, Judith

    Antwort

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